Die Woche verging schneller als erwartet und um ehrlich zu sein waren die Spaziergänge
mit Murphy das Einzige, was mich einen Augenblick lang aus meiner Lethargie zu reißen vermochte...
Montags war es für uns nicht möglich mit Murphy zu gehen, da organisatorische Gründe dazu
führten, dass wir "umsonst" im Tierheim ankamen. Ganz umsonst ist allerdings nicht richtig, denn so
konnten wir uns noch etwas mit einer netten (ja, nett!) Mitarbeiterin des Tierheims unterhalten.
Diese Stelle soll auch dazu dienen, meine eigenen Erfahrungen mit dem Bonner Tierheim zu schildern.
Auch ich habe einige der zahlreichen Geschichten um das Bonner Tierheim und seine Mitarbeiter gehört.
Einige davon waren wirklich nicht schön und so manch einer, der mich mit fragendem und nahezu bewunderndem Blick taxierte, da Yuma eben aus besagtem Tierheim stammt hatte eben keine besonders
rosigen Berichte zu verkünden. Laut eigener Aussage sei man beim Versuch, einen Hund oder generell ein Tier aus dem Bonner Tierheim zu adoptieren auf unfreundliches, gar abfertigendes Personal getroffen, mit welchem teilweise in keinster Weise zu reden gewesen wäre, da alle Versuche zur Güte seitens des Personals abgeschmettert oder überhört worden wären. Ich möchte hiermit nicht sagen, dass ich den Personen die jene Erfahrungen machten keinen Glauben schenke. Ich selbst habe eine ziemlich ernüchternde Erfahrung mit einem anderen Tierheim machen müssen, für welches ich seinerzeit einen recht weiten und umständlichen Weg auf mich nahm. Aufgrund meiner Statur (zierlich und klein - 1.57m) wollte man mir hier meinen erwählten Hund erst gar nicht zum Spaziergang geben, da dieser Rüde (Golden Retriever-Collie Mix) mich übermannen würde und ich ihn nicht halten könne. Nun bekam ich später eine Husky-Podenco Mix Hündin einer Organisation für Nothunde in Griechenland und habe mich sechs Jahre lang, trotz kleiner Statur behaupten können. Und Shiva hat gezogen und riss mich mit. Es erfordert die Erlernung einer gewissen Technik, aber es ist möglich. Ich nehme dem Tierheim seine Skepsis nicht so übel. Besser gesagt tue ich es nicht mehr, da ich später selbst begann ehrenamtlich im Tierheim tätig zu werden und einige Erfahrung mit den Begegnungen sammeln konnte, die die Mitarbeiter täglich vor Augen haben. Oft liegt die Skepsis des Personals und die "Unfreundlichkeit", die sie begleitet eben in diesen Erfahrungen verborgen. Man kennt sich gegenseitig nicht und der Interessent kennt das gewünschte Tier nicht/traut sich mehr zu, als er schließlich zu bewerkstelligen fähig ist und das Ende vom Lied ist dann, dass der Schützling wieder im Tierheim landet. Auch dies soll keine Unterstellung, sondern leider oft die bittere Wahrheit sein und diese darstellen.
Ich selbst habe gute Erfahrungen mit dem Bonner Tierheim gemacht, womöglich auch aus dem Beweggrund, da ich nicht in der Lage war die Stimmung oder genaue Wortwahl der Mitarbeiter genauer zu analysieren. Ich habe ebenso erstaunte wie skeptisch anmutende Personen vorgefunden, mir deren eventuelles Misstrauen jedoch nicht zu Herzen genommen. Wer im Tierheim arbeitet, trifft oft nicht nur auf abgründige Geschichten seiner Schützlinge, sondern in erster Linie auf die Abgründe des menschlichen Wesens. Ich fand es demnach verständlich, da Shiva ebenso bereits von einer Notstelle stammte, dass ich neben Freude und Neugierde ebenso auf Skepsis stieß. Was will ich damit sagen? Ich möchte sagen, dass die "Schauermärchen" um das Tierheim Bonn aus zwei Perspektiven betrachtet werden können und sollten und ein wenig mehr Empathie und Mitmenschlichkeit niemals schadet, sondern stets einander näher bringt. Meine Oma brachte mir als ich Kind war den schönen Satz bei: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus". Ich finde immer noch, dass er etwas ungemein Wahres birgt.
Als ich Dienstag Nachmittag im Tierheim ankam, brachte man Murphy bereits raus, ohne dass ich gefragt hatte. Inzwischen hatte sich anscheinend herum gesprochen, dass ich sie ausführte und so kam mein ängstliches Fellbündel nach kurzer Zeit des Wartens mit einem Pfleger um die Ecke. Zur Begrüßung - und das hätte ich nun wirklich nicht erwartet - sprang sie an mir hoch. Ich wusste von den Mitarbeitern, dass Murphy diese Angewohnheit hatte wenn sie sich freute, war jedoch sehr überrascht nach wenigen Tagen bereits so begrüßt zu werden. Der Weg zum Campus war noch immer nicht unser Liebster und kein Freund, dennoch meisterten wir dies inzwischen ganz gut. Es lief irgendwie, weil es musste und ich gab mir Mühe eine souveräne Körpersprache an den Tag zu legen und nicht zu zögern oder mitleidig auf Murphy einzuwirken.
Sie musste nicht betüttelt werden, sie brauchte Halt. So gut das Ankommen klappte, so schlecht funktionierte das Wegkommen. Als ahnte sie mittlerweile, dass wir nach einer bestimmten Zeit zurück ins Tierheim mussten und ebenso, welcher Weg wir wieder vom Campus weg zu diesem führte, setzte sie sich nun kurz vor Ende des Unigeländes auf ihren Plüsch-Po und lief keinen Schritt mehr weiter. Es erforderte einiges an Überzeugungskraft, den kleinen Inu wieder zurück zu bringen. An besagtem Dienstag war dies noch nicht so wild, sie blieb lediglich stehen und schnüffelte vermehrt, als es gen Ende des Spazierganges ging. Als hätte sie geahnt, dass es mir gleichsam immer schwerer fiel sie immer wieder dort zurück zu lassen, setzte sie sich Mittwochs schließlich das erste Mal konsequent hin, als ich sie zurück bringen musste. Ein Lachen über diesen Protest konnte ich mir nicht verkneifen und überredete die kleine Maus dennoch am Ende, mich zurück zu begleiten. Als ich gehen musste, sprang sie erneut an mir hoch und lies sich die Ohren kraulen, ehe ihr gewohntes Rudel aus Tierheimpersonal sie wieder in ihren Zwinger brachte - ein vorletztes Mal.
Fortsetzung folgt...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Danke für deine Antwort :) Bitte beachte, dass Beleidigungen, Spam etc. gelöscht werden und unerwünscht sind. Ich freue mich über jede einzelne Antwort und werde versuchen alle aufkommenden Fragen zu beantworten ♥
Hast du eine spezielle Frage? Schreibe einfach eine Email, dies geht womöglich schneller. Vielen Dank und
alles Liebe, Andie mit den Fellnasen