Wie genau habe ich Yuma kennen gelernt?
Wie war die Zeit mit meiner kleinen Bangebüxe innerhalb ihres ersten Jahres und welche Erfahrungen habe ich mit dem Tierheim Bonn gemacht?
Dies ist Part eins unserer Geschichte.
Ein ganzes Jahr begleitet mich Yuma nun schon.
Ein Jahr, das mir in manchen Momenten unglaublich kurz erscheint, in Anderen jedoch ebenso lang, als wäre sie bereits Jahre an meiner Seite.
Als ich am 08.012.2012, gerade mal zwei Tage nach dem Shiva über die Regenbogenbrücke getreten war mit meinen Eltern, bei denen ich während meines Studiums noch wohnen darf das Bonner Tierheim betrat blutete mein Herz noch so sehr, dass ich mich eigentlich nicht emotional fähig fühlte mich auf einen neuen Hund einzulassen. Mit tränendem Herzen lief ich die Zwinger ab, freute mich durchaus darüber, wieder mit Hunden zusammen zu sein, denn ich liebe Hunde einfach. Dennoch: Shiva war sechs prägende Jahre meines Lebens mein Schatten, meine Partnerin und Freundin gewesen. Dieses Loch lies sich nicht einfach kitten. Ich wusste, irgendwann würde ich es nicht mehr ohne Hund aushalten. Die Leere war einfach unerträglich, ich sah Shi immer noch vor mir, sei es Abends beim zu Bett gehen oder Morgens nach dem Aufstehen. Immer. Sie fehlte immer. Nun ließen meine Eltern mich einen Augenblick alleine durch die Reihen streifen, auf meinem Rücken trug ich meinen geliebten Rucksack, an dem ich Shivas altes Geschirr befestigt hatte und lies ein paar Artgenossen daran schnüffeln, insofern dies durch die Gitter möglich war. An einer Hündin blieb ich stehen: Hutcha, ein Siberian Husky. Hutcha ist immer noch Insassin im Tierheim und mein Herz war schon immer fasziniert von den Hunden des Urtyps. So kam ich auch zu Shiva, einer Husky-Podenco Mix Hündin. An diesem Tag jedoch konnte mein Herz sich nicht einmal richtig auf einen Husky einlassen. Als ich weiter zog, erweckte meine Mutter meine Aufmerksamkeit, denn sie hatte Murphys Text am Zwinger gelesen. Ich muss zustimmen: Er berührte mein Herz sofort. Ich sah die filigrane Hündin mit dem wolfsfarbenen Fell an. Sie zeigte sich unsicher bis ängstlich, lief immer um die kleine Holzhütte, die ihr und ihrer Zwingergenossin als Unterschlupf diente und schien mit uns wenig anfangen zu können. In jenem Augenblick konnte ich nicht fassen, dass Murphy überhaupt noch im Tierheim war. Sie war wunder schön. Ihre Art erinnerte mich so sehr an meine Anfänge mit Shiva, dass es mir geradezu unheimlich war. Auch Shiva war ein unsicherer Angsthund gewesen, der nahezu nichts kannte und alles verbellte und Fremden grundsätzlich mit Abstand begegnete. Dennoch war sie fröhlich und ungemein freundlich geworden und besaß zuletzt eine souveräne, nahezu von Weisheit erfüllte Ruhe. Ehe ich es überhaupt begreifen konnte, befand ich mich im Gespräch mit Julia, der Verantwortlichen für Hundeangelegenheiten, wie ich mich zu erinnern glaube. Julias Augen glühten vor Freude auf als sie Fragte: "Sie interessieren sich für Murphy?" und ich konnte mal wieder nicht fassen, dass dies zuvor anscheinend nicht Viele getan hatten. Was war so falsch an einem ängstlichen Hund? Sie konnten so viel lernen und so viel geben. Tatsächlich holte sie Murphy sogleich zum Kennenlernen aus ihrem Zwinger. Ich stand ein wenig neben mir, es ging alles unglaublich schnell. Im Nachhinein jedoch, kann ich mich nur zu der Schnelligkeit der Ereignisse beglückwünschen. Wenige Minuten später kam Julia mit einer dünnen, hochbeinigen Schönheit an der Leine um die Ecke, die gar nicht zu wissen schien was ihr geschah. Man konnte deutlich sehen, dass Murphy sich liebend gerne wieder in ihrer Hütte im Zwinger verkrochen hätte, denn neben ihrer offensichtlich ängstlich motivierten Körpersprache hielt sie immer wieder an, stockte und wollte den Rückwärtsgang antreten. Dies war der Augenblick, in dem ich mich in Murphy verliebte.
Im Auslauf begann die schlanke Schönheit zunächst zu zittern. Drei fremde Menschen zur selben Zeit machten ihr offenbar Angst. Ich kniete mich nieder und sah ihr ebenso nicht direkt in die Augen. Als Julia mir schließlich die Leine übergab erfasste mich ein Gefühl, als hätte ich nie zuvor eine Leine in der Hand gehabt. Murphy jedoch, zuckte nicht mit der Wimper und versuchte auch nicht zu flüchten. Das war der Augenblick, in dem Julia uns für einen kurzen Augenblick alleine lies, nachdem sie uns zuvor ein wenig über Murphys Charakter aufgeklärt hatte. Bis auf den Schutztrieb schien Murphys Art der von Shiva sehr zu gleichen. Langsam streckte ich die Hand aus, um ihr weiches Fell zu berühren. Als Murphy nicht zuckte streichelte ich sie und tastete mich langsam zu ihrem Ohr vor. Sie mochte es, wenn man ihr Ohr kraulte. Um nicht zu viel von ihr zu verlangen lief ich letztendlich ein paar Schritte mit ihr um den mittig im Gehege angesiedelten Baum, blieb immer wieder stehen und streichelte sie ab und an. Sie folgte mir und dies wertete ich als gutes Zeichen. Im Nachhinein weiß ich auch, dass es das war. Es ist, als hätte Murphy direkt in mein trauerndes Herz gesehen und gewusst, dass ich ihr nichts tun würde. Wenn andere Halter davon sprachen, ihr Welpe habe sie ausgesucht, konnte ich bisher niemals mitreden. Ich hatte immer Nothunde und von diesen erwartete ich nicht, erwählt zu werden. Ob es nun Hunde waren, welche ich im Tierheim als ehrenamtliche Arbeiterin ausführte oder Shiva, meine erste ganz eigene Hündin. Bei Murphy jedoch, schien es anders. Heute würde ich behaupten, wir haben einander ausgesucht. Weshalb, werde ich später noch erzählen.
Als Julia wiederkam vereinbarten wir, dass ich und Murphy uns die folgende Woche während gemeinsamer Spaziergänge kennen lernen und beschnuppern sollten. Ich wollte bereits am darauf folgenden Sonntag den 09.12. damit beginnen, denn ich war unglaublich neugierig auf diese sensible und scheue Hündin.
Wir verabschiedeten uns und mein Herz überschlug sich vor Emotionen. Bereits morgen würde es weiter gehen. Morgen schon würde ich sie wieder sehen...
Fortsetzung folgt....
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