Stille...

Ein Jahr.... Zwölf Monate... 365 Tage..
Eine verdammt lange Zeit, möchte manch einer meinen. Auch ich habe einst so gedacht.
Ein Jahr kann vieles Wandeln, Gras über die Dinge wachsen lassen... jedoch nicht über alles.
Das Herz besitzt eine erstaunliche Macht und Kraft. Wenn es liebt, liebt es bedingungslos und treu.
Zumindest sollte es das. Was diese Eigenschaften angeht, so kann sich manch ein Exemplar des
Homo Sapiens eine Scheibe von der Herzenskraft abschneiden, die die Gattung Canis Lupus/
Canis lupus familiaris aufzubringen vermag. Die Liebe eines Hundes ist die aufrichtigste, treuste und
kraftvollste, die ich je erleben durfte. Dies soll nun nicht bedeuten, dass Menschen nicht zu großen Gefühlen oder aufrichtiger Liebe fähig wären. Die bedingungslose Art jener Hingabe, die ein Hund innerhalb einer Partnerschaft zum Menschen zu geben vermag ist jedoch eine gänzlich andere und fasziniert und berührt mich zutiefst. 

Als ich vor einem Jahr mit meiner Hündin Shiva den für sie letzten Gang beschritt, wusste ich an diesem Tag nicht einmal, dass unsere letzten Stunden als Team gezählt sein würden, sobald ich die Praxis unserer Tierärztin verlassen würde.
Das Gefühl, ohne den Partner, den Schatten, welcher mich sechs kurze und intensive Jahre lang begleitete nach Hause fahren zu müssen, war unerträglich. Die Leere die dieser Moment hinterlies, kann ich einfach nicht in Worte fassen. Ich erinnere mich daran nach einer langen Phase des Weinens und Trauerns endlich auf üurer Erschöpfung in einen traumlosen Schlaf gesunken und mitten in der Nacht aufgewacht zu sein. Mein Herz tat weh und im ersten Moment wusste ich nicht wirklich, weshalb.
Ich lauschte auf vertraute Geräusche, die ich nun nie wieder hören würde. Da erinnerte sich mein Herz und gab die Tränen frei, die es seit den Stunden des Schlafes nicht mehr weinen konnte. Der Druck auf meiner Brust lies mit den Tränen nach, aber auch die Erinnerung flammte erneut auf. Wie ein Kind an sein Stofftier, klammerte ich mich an das Geschirr, welches meine Hündin die vergangenen Jahre getragen hatte. Auch die alte Flexi-Leine presste ich mit aller Kraft gegen meine Brust und mein wild schlagendes Herz. Ich weiß, dass einige Menschen diese Art von Trauer nicht verstehen - insofern sie ein Tier betrifft - aber mir schien ein Teil meiner Selbst abhanden gekommen. Herausgerissen. Dennoch, wusste ich für Shiva das Richtige getan zu haben. Sie hatte einfach nicht verdient zu leiden. 

Am Morgen des Nikolaustages im Jahr 2012, den 06.12. also, wollte Shi einfach nicht mehr laufen. Zuvor hatte sie eine Krankheitsgeschichte hinter sich, die Verletzungen an der Wirbelsäule - Überreste aus der Zeit als Straßenhund auf Korfu - beinhaltete, einen Bandscheibenvorfall mit sich zog und diverse Probleme mit dem Hüftgelenk, da sie für ihr Leben gerne sprang und dies ab und an in die Hose ging, beinhaltete. Am Ende stellte man eine Leishmaniose fest. Ich habe Menschen getroffen, die über dieses Schicksal nicht betrübt waren, wie ich es ebenso bei jedem anderen Hund gewesen wäre. Die Person echauffierte sich vielmehr über die Tatsache, dass man Hunde aus dem Ausland überhaupt in Deutschland vermittelte, da diese ja wohl eben diese Krankheiten in das Land bringen und hiesige Tiere infizieren würden. Eine Unverschämtheit, die deutschen Tierheime seien doch voll genug! 
Aussagen, bei denen ich nur den Kopf schütteln und der armen Dame "gute Besserung" für ihre Empathie und Menschlichkeit wünschen kann. Shiva würde nicht zurück kommen, ob ich dieser Person nun verbal eine verpassen würde, oder nicht. Ihr armer Körper wollte einfach nicht mehr. Bis zum letzten Augenblick eine Kämpferin, hatte der Krebs bereits Leber und Niere zerfressen. Sie sollte einfach nicht mehr leiden, nun war ich an der Reihe zu tun, was meine Pflicht als ihr Partner war. Wer liebt, muss ziehen lassen und so lies ich sie gehen. 

Das ganze ist nun schon ein Jahr her....
Immer noch kommen Tränen, sobald Shivas vertrautes Heulen meine Erinnerung streift. 
Immer noch, fehlt ein Teil meiner Selbst. Yuma hat einen anderen Platz eingenommen. Einen Platz,
den ich nicht kannte und von dem ich zudem nicht wusste, dass mein Herz ihn zur Verfügung hatte. 
Shivas einzigartiges Wesen wird mich immer begleiten. Und Rihannas diamonds wird auf ewig jener Song sein, der mich an Shi´s Seele bindet. Sie ist mein Diamant im Himmel. 





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