Man kann einen Hund gehabt haben, wie ich Shiva, der einen forderte, prägte und einem sehr viel über den eigenen Charakter beibrachte. Man kann gemeinsam gewachsen sein, aneinander und miteinander und am Ende als unerschütterliches Team gegen den Rest der Welt gestanden haben... eine Sache, würde ich jedoch niemals tun: Diese Tatsache zum Anlass nehmen zu behaupten, ich habe jetzt "Ahnung" und genauso weiter machen wie bisher.
Yuma war ein gänzlich anderer Hund, auf den ich mich als solchen einlassen wollte und auch musste. Was dies bedeuten würde, würde ich mit der Zeit erfahren. Neue Pläne wurden geschmiedet, die neuen Hürden gemeinsam zu erarbeiten und zu überschreiten. Eine davon, wurde bereits am Morgen der Abholung ersichtlich: Autofahren.
Die kleine Maus kannte nicht viel - auch wenn man sich im Tierheim redlich Mühe gegeben hatte ihr etwas von der Welt zu zeigen - war das Betreten eines Autos bereits eine Hürde, welche Yuma [logischerweise] noch nicht so wirklich bereit war zu bestreiten. Im Auto angekommen [durch das Hereinheben einer Frau des Tierheimes, die sie kannte und ihr daher sicherlich etwas mehr vertraute als mir zu diesem Zeitpunkt], waren sie und ich schließlich auf der Rückbank des Fahrzeuges angelangt, angeschnallt und mehr oder minder breit. Ich mehr, Yuma weniger. Die Fahrt an sich sollte nicht sonderlich lange dauern. Was für uns "nicht lang" erschien, war für unsere neue pelzige Besatzung jedoch schier eine Ewigkeit. Ihr Puls raste, sie hechelte sich die Seele aus dem kleinen Körper und wechselte aus Unsicherheit immer zwischen Sitzen und Stehen. Ich stand ihr bei, so gut ich konnte, schließlich würde sie am Ende dieses aufregenden Tages vielleicht erkennen, dass etwas wunderbares passiert war: Sie hatte jetzt ein Zuhause. Wir würden ihre Familie sein, ihr Rückhalt. Das Leben war schön. Um diesen Gedanken zu unterstützen, besiegelte die Kleine diesen und machte voller Unsicherheit und Panik in die Hose [auf meine]. Unsere Beziehung betrachtete ich daher als besiegelt ;).
Im Gegensatz zu Shiva, welche nach ihrer Ankunft in Deutschland auf einer Pflegestelle lebte, kannte Yuma das Leben in einem Haus nicht. Das Gefährt der Hölle [Auto] verlassen, türmte sich für Yuma sogleich die nächste Hürde des Unbekannten auf: Das Haus. Einmal drin, gab es unendlich viel zu erschnüffeln, bestaunen und erforschen - zumindest im Erdgeschoss, denn die Treppe war ihr unheimlich [dies kannte ich jedoch bereits von Shiva, die ganze 5 Tage gebraucht hatte, um die Treppe hinauf zu kommen].
Im Tierheim war Yuma keine Freundin der kulinarischen Feinheiten dieser Welt gewesen, so sagte man zumindest und ich gehörte seit jeher nicht zu den Menschen, die ihre Hunde mit Leckerchen vollstopften, weshalb ich dies nicht genau beurteilen konnte.
Als "Willkommensgeschenk" würde ein Stück Dörrfleisch vielleicht geeignet sein und dies nahm sie auch dankend an. Gleich drei mal. Mit vollem Magen kam die Müdigkeit und gleichsam die Freude über das, was sie im Schlafzimmer vorfand: Ihr Bett. Die Pfoten vorsichtig auf den flauschigen Untergrund drückend, die Nase über die Oberfläche schiebend wagte sie erste zögerliche Versuche, mich nicht aus den Augen lassend. Hierfür gab es reichlich Bestätigung meinerseits, denn sie sollte sich in ihrem ersten eigenen Bett wohl fühlen.
Ich hatte ein Stofftier meiner alten Hündin hinauf gelegt, eventuell würde ihr der Geruch eines Artgenossen
Mut machen. Es fasziniert immer wieder aufs Neue, wie sehr Hunde sich über die Dinge freuen können, die für uns nahezu selbstverständlich sind. Yumas Freude über das Dörrfleisch, ihr Bett und dieses Haus war so groß, dass man es kaum in Worten beschreiben kann. Sie erschien so erstaunt über all die neuen Dinge, dass sie auf ihrem Hundebett in einen tiefen Schlaf sank und all die Dinge verarbeitete, die sie am Morgen ihrer Ankunft erfahren hatte. Fürs erste war sie glücklich und zufrieden. So sollte es sein :)
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