Beginnen wir mit einer kleinen Liste...
Waschmaschine, Fernseher, Jogger, Wasserflasche, Automobil, Nordic - Walker, Fußgänger, Mond,
Luftballons, Menschen, Kinder, Skateboards, Inliner, Spazierstöcke, Regenschirme, Backofen, Eierkocher, Hüte, Fahrräder, Tennisball, Wind, Fussball, Radio, Wasserkocher, Herd, Flasche, Spiegelbild, Gewitter, Hagel, Blaskapellenmusik, Hiphop, Charts, Wellen im Wasser, Männer,
Säge, Bohrer, Telefon, Hunde, Kräne...
Was haben nun all diese Dinge gemeinsam?
All diese Dinge sind etwas, wovor Yu Angst hatte. Es sind Dinge, die sie nicht kannte,
mit denen sie eventuell einmal schlechte Erfahrungen machte und die sie nicht mochte.
Zunächst fiel dies beim Thema Fernsehen auf. Dieser wurde gnadenlos verbellt, sowohl die Bilder als auch der Ton behagten der Maus überhaupt nicht, kein Wunder, schließlich wurde sie bisher noch niemals mit dieser Technik konfrontiert. Was tut man nun, um dieses Problem zu beheben?
Ganz einfach: zunächst einmal gar nichts! Fernseher aus, weiter im Text.
Problem Nummer zwei: Menschen. Diese begegnen einen manchmal, insofern man mit seinem neuen Gefährten vor die Haustür möchte, falls dieser einmal das Bedürfnis verspüren sollte sich zu erleichtern oder etwas "Spaß" zu haben. Nach Spaß, sah dies nur die ersten Wochen eher weniger aus. Macht nichts, einfach weiter gehen. Während man also so aussieht, als würde man den eigenen Hund durch das von Gefahren ummantelte Leben zerren, werden sämtliche Passanten, ob sie nun mit Rädern, Stöcken (Nordic Walking) oder sonstigen Gerätschaften oder gar lediglich zu Fuß unseren Weg kreuzten gnadenlos verbellt. Wer nun denkt, das war´s schon, der kannte Yuma nicht.
Das Gebell wurde, insofern dies für nötig befunden wurde, gerne durch Leinenpöbeln und Konfrontation unterstützt. Da muss das kleine 1,57 m Frauchen halt mal standhaft sein ;-)
Es wäre zwecklos gewesen, Problem nach Problem zu bearbeiten. Yuma kannte einfach fast nichts, war eben als Welpe nicht sozialisiert worden (wie auch?) und musste demnach langsam aber stetig an alles herangeführt werden. Sie kam in eine ganz neue Umgebung - ihr erstes eigenes Zuhause und war zunächst mit fast allen neuen Reizen überfordert.
Kurzum: Es gab eine Menge zu tun und wurde nicht langweilig!
Was mich wirklich gründlich an der Sache ärgerte, war nicht mein Hund, der vor so ziemlich allem Angst hatte. Es war auch nicht die Tatsache, dass ich mehrere Monate kaum Kontakt zu Freunden hatte, da sie auch vor Fremden große Angst hatte und ich mich zu sehr auf Yuma konzentrieren musste oder etwa die Tatsache, dass einige Barrieren die Yuma überwinden musste mit einem großen Lernprozess meiner Selbst einhergingen. Nein. Was mich wirklich sehr aufregte waren die anderen Hundebesitzer und ihre vorsintflutlichen und absolut deplatzierten Ansichten und "Ratschläge".
Dies muss an dieser Stelle leider auch einmal zur Sprache kommen. Nicht etwa, weil ich grundsätzlich unempfänglich für die Ansichten und Erfahrungen anderer Menschen wäre oder konstruktiver Kritik abgeneigt bin. Es ist nur völlig fehl am Platze einer Frau - und sieht sie noch so klein und jung aus wie ich - zu raten, den ängstlichen und völlig überforderten Hund aus dem Tierheim und Ausland, den sie gerade mal drei Wochen hat zu raten diesen doch abzuleinen, da dieser dann doch an Sicherheit gewinne und lediglich durch das Führen an der Leine unsicher wäre. Zumal man den Hund gerade mal zehn Minuten (wenn es hoch kommt), gesehen hat. Einen Hund, welcher Menschen angeht, damit sie ihm fern bleiben (auch wenn dieser nicht beißt) und der grundsätzlich zu Panik und Angst neigt, leint man nicht ab, ehe man ihn einschätzen kann, mit ihm gearbeitet hat und er darauf vertraut, dass das Frauchen die Situation im Griff hat. Punkt. Ohne Leine haben Hunde zwar mehr Bewegungsfreiheit und Raum auszuweichen, das ist jedoch ein gänzlich anderes Thema. Dies war nie meine Problematik. Und ich habe sehr sehr oft immer wieder diesen "Ratschlag" gehört, da wir anscheinend sehr viele unentdeckte Hundeflüsterer auf der Welt haben.
Auch Shiva war zu Beginn ein Angsthund. Dies hat sie ihr Leben lang nicht gänzlich abbauen können. Manche Verhaltensweisen zeigen sich auch erst, wenn der Hund in "seiner" Umgebung angelangt ist. So war Shiva beispielsweise innerhalb ihrer Pflegestelle ein Menschen zugeneigter Hund, sie bot sich beinahe jedem an, der sie nicht verschreckte. Als sie bei uns ankam verbellte sie in der ersten Zeit alles und jeden. Sie legte das anbietende Verhalten komplett ab und wurde "unsere" Hündin. Von uns lies sie sich streicheln, mit uns schritt sie nun durch ihr Leben - Fremde hingegen durften sie wenn überhaupt nur kurzweilig anfassen. Sie ging dann weg, zeigte, dass sie bitte in Frieden gelassen werden wollte. Shivas Verhalten bei Unsicherheit und Angst unterschied sich aber noch einmal grundlegend von Yumas. Somit muss man jeden Hund individuell erziehen und fördern.
Mittlerweile habe ich Yuma nun fast zwei Jahre und sie geht überall dort, wo ich es verantworten kann ohne Leine. Sie hört auf mich, hat nicht den Jagdtrieb, den Shiva hatte und ist auch nicht so Jagdaffin wie ihre Vorgängerin. Sie kennt die Kommandos Steh/Warte, komm her/hier, zurück sowie "Auto", ein Kommando das ihr sagt dass sie zur Seite gehen soll und sieht immer wieder zurück, ob ich noch da bin. Sie geht keine Menschen mehr an, wenngleich ich auch darauf achte dass sie in Situationen, welche ihr nicht geheuer sind nicht die sein muss, die eine Entscheidung trifft was "zu tun" ist. All das ging nicht von "heute auf morgen" und auch nicht binnen weniger Wochen. Das es innerhalb recht weniger Monate so gut klappte, hätte ich selbst nicht gedacht. Wir machen Fortschritte, stellen uns ihren Ängsten ohne sie zu überfordern. Mittlerweile sind wir so weit, dass jene Menschen die sie kennen und lieben gelernt hat sogar sagen: Die Yuma ist doch kein Angsthund?!
Und doch ist sie es. In gewohnter Umgebung ist sie es nicht mehr sehr, in fremder schon. Panik hatte sie bisher nicht mehr wirklich, aber es ist wichtig immer den richtigen Mittelweg zu finden und sie weder zu behüten noch zu überfordern. Fremde Menschen sind ihr einfach nicht geheuer und ich muss darauf achten, dass sie ihre Grenze nicht überschreiten und ihr Zeit geben. Viele Passanten haben hierfür wenig Verständnis, einige jedoch schon. Ich habe gelernt zu unterscheiden und ebenso, meine eigenen Emotionen noch besser wahrzunehmen und Ruhe zu bewahren. Wir üben stetig und es macht ihr Spaß. Yuma mag Agility und auch wenn der Tunnel nicht ihr Freund wurde (bisher), macht sie sich gut. Wir haben noch viel vor uns, aber auch schon so viel geschafft. :)
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